Am 4.Oktober, dem Tag des Heiligen Franz von Assisi, ist wieder Welttierschutztag. Dieser internationale Aktionstag soll auf das Leid der Tiere in der ganzen Welt aufmerksam machen,  Leid, das durch den Menschen verursacht wird.

Wir wollen in diesem Jahr nicht über Tierschutz und Tierleid in der Welt berichten. In den letzten Monaten haben wir einige Wunder erlebt, die uns so gefreut haben, dass wir Sie, liebe Tierfreunde und Leser dieser Zeilen, an unserer Freude teilhaben lassen möchten.

Viele Menschen, die ein Tier als Hausgenossen suchen, gehen an Zwingern vorbei, in denen alte, nicht so schöne, behinderte oder schwierige Hunde sitzen. Junge, hübsche, unkomplizierte Tiere sind gefragt. So kommt es, dass manche Tiere, in unserem Fall jetzt Hunde, jahrelang im Tierheim sitzen. Manche bis zu ihrem Tod, wie unsere Jessy.

Das erste Wunder kam für Carry, die seit Februar 2012 bei uns war. Wir konnten sie im Sommer in beste, erfahrene Hände vermitteln, wo sie glücklich als Zweithund lebt.

Dann Leon. Er war zwei Mal zurück gebracht worden, weil er seine neuen Halter gebissen hatte. Es sah nicht so aus, als wenn sich für ihn jemand ernsthaft und verantwortungsvoll interessieren könnte. Leon lebt jetzt in einer Familie, die ihn versteht und nimmt wie er ist, und Leon ist dort ausgeglichen und zu jedermann freundlich und wird von allen Familienmitgliedern geliebt und verwöhnt.

 

Wir alle im Tierheim hatten die Hoffnung aufgegeben, jemals unseren  ärmsten Langzeitbewohner Bandit, der mit einem etwas „schwierigen Ruf“ behaftet war, noch vermitteln zu können.

 

Bandit, inzwischen 10 Jahre alt, hat nicht nur in unserem Tierheimzwinger 5 ½ Jahre gesessen, davor war er mindestens 2 Jahre lang Dauergast in einem französischen Tierheim gewesen.

 

„Wir wollen einfach nicht glauben, dass es keinen Menschen geben soll, der mit diesem tollen Hund umgehen kann, der als einzige "Macke" hat, dass er einen Beschützerinstinkt für seinen geliebten Menschen entwickelt. Kann man nicht verstehen, dass er einfach Sorge hat, dass ihm seine geliebte Bezugsperson wieder weggenommen wird. Wer weiß, was er schon erlebt hat?“ So lautet die Beschreibung von Bandit auf unserer Homepage.

 

Bandit schien sich mit seinem Tierheimleben abgefunden zu haben. Das hieß: 22 bis 23 Stunden am Tag warten, dass seine geliebten Gassigeher, Jutta oder Simone und Wolfgang kommen. Und er zeigte ihnen jeden Tag wie glücklich und dankbar er für jede Zuwendung und die schönen Spaziergänge war. Für sie wäre er durchs Feuer gegangen!

 

Mit fremden Menschen konnte man Bandit nicht Gassi gehen lassen, das mochte er nicht und es war fast sicher, dass er sie zwicken würde. So hatten wir den Glauben daran verloren, dass sich Bandit jemals einem ihm fremden Menschen anschließen würde – wenn er denn überhaupt käme, der Mensch mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Im Laufe der Jahre gab es viele Interessierte, die nach dem hübschen Bandit fragten. Sobald sie hörten, dass er kein einfacher Hund ist, zogen sie sich zurück.

 

Und dann geschah es, das Dritte, das für uns größte Wunder!

 

Was niemand für möglich gehalten hatte: DER richtige Mensch kam. Herr Geber! Er kam nicht mal eben aus der Gegend von Kitzingen mit dem Auto angefahren.

 

Monatelang betrieb Herr Geber, Bandit´s jetziges Herrchen und inzwischen bester Freund, einen immensen Aufwand, um zu einem alten Hund zu kommen, den er nicht kannte, der ihn nicht besonders mochte und von dem niemand sagen konnte, dass er sich fremden Menschen anschließt und einem Leben in der Familie anpassen wird. Ein Hund, der vielleicht noch nie in seinem Leben in einem Haus leben durfte. Der in seinem ersten Lebensjahr, dem einzigen seines 10-jährigen Lebens in dem er nicht in einem Tierheimzwinger saß, wohl kaum ein geliebtes Familienmitglied war, das wie jetzt, jemals im BETT schlafen durfte!

 Vor ca. 2 Jahren hatte Herr Geber – er wohnt in Zirndorf, ca. 100 km von Kitzingen entfernt  - Bandit auf unserer Homepage entdeckt und nicht verstanden, dass dieser Hund nicht die richtigen Menschen findet. Er selbst hatte schon 3 Hunde. Deshalb konnte er Bandit damals noch nicht zu sich nehmen, so leid er ihm auch tat.

 

Immer wieder schaute Herr Geber auf unserer  Homepage ob Bandit endlich vermittelt werden konnte. Im Juni 2016 hielt er es nicht mehr aus. Er ist mit seinem  Fahrrad in den Zug gestiegen und vom Kitzinger Bahnhof  ins Tierheim geradelt, um Bandit kennenzulernen.Welcher Aufwand!

 

Es sollten noch weitere 20 Fahrten folgen. Meistens per Bahn und Rad manchmal mit dem Auto.

 

Viele Spaziergänge, zunächst in Begleitung von Bandit´s Gassigehern. Nach relativ kurzer Zeit schon konnte Herr Geber Bandit problemlos aus seinem Zwinger holen und allein mit ihm Gassi gehen. Dann gab es Zusammenführungen mit den weiteren 2- und 4-beinigen Familienmitgliedern. Wir hielten immer wieder die Luft an – aber es klappte! Die Entscheidung fiel relativ schnell. Bandit sollte nach 7 ½ Jahren Tierheim ein neues, herrliches Zuhause bekommen!! Da ein Urlaub geplant war, sollte Bandit´s Einzug erst im Oktober stattfinden. Doch solange wollte die Familie nicht warten.

 

Herr Geber beschreibt wie es mit ihm, seiner Familie und Bandit weitergeht und wie dankbar dieser verkannte, tolle Hund sich zeigt:

 

 

 Hallo liebes Tierheimteam,

ja, nun ging es doch schneller als erwartet. Bandit wurde am 3.
September " aus der Haft entlassen". Nach 5 Jahren Tierheim genießt er
jetzt ein Leben mit Sofa, Bett, Ikeahundelieblingsstuhl, mehreren
Hundekörben und zwei Hundedamen. Alle weichen Plätze wurden sofort
angenommen und es wird ausgiebig rumgelümmelt oder neudeutsch " gechillt".
Zu Anfang gab es ein paar kleinere Diskussionen mit unseren Mädels,
welche aber ziemlich schnell beendet waren und wie es aussieht hat er
die Rolle des "Herrn im Haus" angenommen. Die Damenwelt hat sich wieder
beruhigt und mittlerweile wird auch zusammen im Garten gespielt.
Insgesamt gesehen muss man sagen, dass er immer noch unsicher ist und
manchmal nicht so recht weiß, wie er manche Situationen einschätzen
soll. AAAAAAAAber, ich kann wirklich behaupten, noch nie einen Hund
gehabt zu haben, der so sehr bemüht ist zu gefallen! Seine Freude am
neuen Leben kann man vor allem morgens nach dem Aufstehen beobachten.
Sobald er auf die anderen Hunde trifft wird voller Übermut über die
Betten und Sofas gefetzt und mit großem Vergnügen gewälzt.

Wir freuen uns, dass sein Wohnungswechsel relativ unkompliziert über die
Bühne ging, was sicherlich auch an der längeren Eingewöhnungsphase mit
vielen Besuchen lag.

Es bleibt nur noch uns recht herzlich zu bedanken. Zum Einen geht unser
Dank an Simone und Wolfgang, die uns bei den ersten Spaziergängen mit
Rat und Tat zur Seite standen. Zum Anderen möchten wir uns beim gesamten
Tierheimteam und allen freundlichen Hundegassigehern bedanken...

und letztendlich gilt der größte Dank BANDIT..........der mit viel Mut
seinem neuen Leben begegnet und uns jeden Tag durch seine Dankbarkeit
erfreut.

 

 

Wir möchten uns an 1. Stelle bei Herrn Geber ganz herzlich bedanken! Wir können nicht genug erzählen, wie sehr wir bewundern, was er auf sich genommen hat und wie glücklich uns sein Bericht und die herrlichen Fotos unseres überglücklichen Langzeitbewohners Bandit machen.

 

Auch die Geduld und den Mut von Carrys Frauchen und Leons Familie muss man bewundern. Auch sie hätten es sich leichter machen können und einen jungen, unkomplizierten Hund  aufnehmen. Auch ihnen herzlichen Dank.

 

So nehmen wir in diesem Jahr den Welttierschutztag als Gelegenheit den Menschen Dank zu sagen, die sich alter, kranker oder für die meisten Menschen wertloser Tiere annehmen und ihnen ihre Zeit und Liebe schenken. Und – wie man hier sieht, gibt es diese Menschen glücklicherweise immer wieder!

 

 

 

 

Leon jetzt  glücklich in seiner neuen Familie
Leon jetzt glücklich in seiner neuen Familie
Carry jetzt glückliche Zweithündin im eigenen Zuhausee
Carry jetzt glückliche Zweithündin im eigenen Zuhausee

Fotos von Bandit

E S  K Ö N N T E  N I C H T  S C H Ö N E R  S E I N !

 

Nach 7 1/2 Jahren Zwinger!