Oscars Leidensgeschichte – wenn er reden könnte! -
Es ist Montagnachmittag und ausnahmsweise ruhig im Tierheim. Die Hunde werden von Interessenten und Gassigängern ausführt. Wir sitzen im Büro und überlegen fieberhaft, welche Hunde sich so gerne mögen, dass wir sie zusammen in einen Zwinger setzen können, um in unserem momentan übervollen Tierheim noch einen Fundhund unterbringen zu können, als das Telefon klingelt.
Kathrin, eine Tierschützerin, erzählt uns völlig aufgelöst von einem Hund, der in ein serbisches „Tierheim“ gebracht wurde. Sein Besitzer hat ihn abgegeben. Es ist ein Pointer. Ein großer Hund, den der Mann auf dem Arm tragen muss, denn der Hund kann vor Schwäche nicht stehen, geschweige denn laufen. Der Hund ist kurz vorm verhungern.
Wir sagen Kathrin, wie es ist. Dass wir keinen Platz haben. Es geht wirklich nicht. Tut uns so leid! Kathrin hat uns Bilder geschickt, wir sollen sie wenigsten anschauen. Das erste der Fotos zeigt Welpen und Junghunde. Sie sind tot. Tot gebissen und angefressen von ihren Kameraden. Wer in diesem Auffanglager schwächelt, wird zur Nahrung, denn dort gibt es nur einmal in der Woche etwas zu fressen.
Auf dem nächsten Foto sehen wir ihn. Oscar, den stolzen Pointer, auf dem Arm seines Besitzers, der ihn so verhungern lassen hat. Können wir immer noch ablehnen, im Wissen, dass unser „Nein“ seinen qualvollen Tod durch die stärkeren Hunde bedeutet?
Der Hund hatte doch schon ein bisschen Glück, dass ihn sein Peiniger nicht selbst totgeschlagen, sondern ins Tierheim gebracht hat. Es gäbe gerade jetzt die Gelegenheit, dass er mit einem geplanten Transport nach Deutschland bis vor unser Tierheim gebracht werden würde. Und Oscar will leben! Wir müssen nur das kleine Wörtchen „Ja“ sagen. An unserer Entscheidung hängt dieses Hundeleben.
Was wären wir für Tierfreunde, wenn wir es abgelehnt hätten! - Bis Freitag muss Oscar durchhalten und anschließend die zweitägige Reise überstehen. Ob er das überhaupt schafft?
Am Samstag, dem Tag der Ankunft, ruft uns der Fahrer des Transportes von unterwegs an und sagt, dass es um Oscar schlecht steht. Er konnte am Tag der Abreise nicht mehr stehen und hat weder Futter noch Wasser zu sich genommen. Aber er würde noch den Kopf heben. Ankunft in Kitzingen abends voraussichtlich um ca. 20 Uhr.
Wir rufen die Tierklinik an. Alles wird vorbereitet, der Notdienst steht um 20 Uhr bereit. 20 Uhr dreißig brummt der große Sprinter unseren Berg hinauf durchs geöffnete Tor.Wir haben unser Tierheimauto weich gepolstert und warme Decken bereit gelegt, um gleich loszufahren. Wir wissen nicht, ob der Hund noch lebt.
Als die Schiebetür geöffnet wird sehen wir ihn unter Decken liegen. Er öffnet die Augen, hebt den Kopf und ….wedelt tatsächlich mit seinem Schwanz.
Jetzt muss er noch eine Fahrt überstehen. - Beim Anblick von Oscar ist das Klinikpersonal fassungslos, dass dieser Hund lebt und in dem Zustand solche Strapazen überstanden hat. Erst jetzt bei Licht sehen wir seine vielen Wunden und Narben. Was muss er mitgemacht haben? Der Tierarzt meint, er hätte vermutlich in einer engen Kiste gelebt und sich seine Gelenke wund gelegen und geleckt. Aber wir werden es nie erfahren. (Wenn er nur reden könnte!)
Er wird sofort an die vorbereitete Infusion angeschlossen und unter eine Wärmelampe gelegt. Mehr kann man heute nicht tun. Und auf den nächsten Tag warten und beten, dass Oscar nicht jetzt, wo er es bis hierher geschafft hat, aufgibt.
Nach einer Nacht, am Sonntagmorgen, der Anruf der Klinik: „Oscar hat gefressen. Er steht und wedelt mit dem Schwanz, als wollte er sich bedanken. Ihr könnt ihn morgen holen.“
Am nächsten Tag kommt uns ein noch etwas schwankender Oscar auf eigenen Beinen entgegengelaufen.
Seit 4 Wochen ist er bei uns und lebt auf einer Pflegestelle. Er hat schon 7 kg zugenommen. Nur seine vernarbten Pfoten und der haarlose Bauch erinnern an den Hund, der durch die Hundehölle gegangen ist.
Sein glänzendes Fell, seine strahlenden Augen, seine fröhlichen, großen Sprünge und natürlich sein immer freundlich wedelnder Schwanz sind der Beweis, dass unsere Entscheidung zu dem Wörtchen „JA!“ richtig war. Als wüsste er es ganz genau, zeigt er uns mit seiner Anhänglichkeit und Bescheidenheit jeden Tag wie sehr er sein Leben genießt, auch wenn ihm seine geschundenen Knochen manchmal wehtun.
Jetzt braucht unser Oscar nur noch das richtige, eigene Zuhause, wo er für den Rest seines Lebens geliebt und verwöhnt wird. v.c.
und er braucht viel Wärme














Kitzingen






